It`s a Match! No, it`s not?!

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Ich habe lange mit mir gerungen, ob ich dieses Thema hier ansprechen sollte und wenn ja, wie ich das am besten anstellen würde. Nun ja das Single-Dasein hat mich einiges gelehrt und vor allem die Welt rund um Tinder ist eine sehr besondere. Heute möchte ich diese Welt kommentieren, denn was zurzeit für ein Denken über zwischenmenschliche Beziehungen vorherrscht, ist meiner Meinung nach alles andere als normal.

DE:  Viele von euch werden wohl die Situation kennen, in der man frisch aus einer Beziehung kommt, das Ego komplett am Boden ist und die Tatsache akzeptieren muss, dass man jetzt erstmal wieder alleine ist. In diesem Moment sind bestenfalls deine Freunde für dich da und raten dir, sich doch einfach die App “Tinder” runterzuladen, um ein bisschen “Spaß” zu haben und dein Ego wieder aufzupolieren.
Und hier haben wir den Salat. Ein emotional betroffener Mensch meldet sich bei einer Dating-App an, bei der er oder sie den verschiedensten Menschen begegnet. Natürlich möchte man sich nicht wieder sofort binden, weil man ja aus einer Beziehung kommt. Doch dieses kleine Detail ist für den Gegenüber am anderen Ende der Unterhaltung nicht wirklich klar und es wird demjenigen in 90 % der Fälle auch nicht vermittelt. Und so schreiben die zwei besagten Personen miteinander, sie fangen sich an zu mögen, treffen sich… und dann ist es nur eine Frage der Zeit. Wofür? Das sich der emotional betroffene Teil der Konstellation daran erinnert, dass er oder sie ja nur Spaß haben wollte und sich deshalb einfach nicht mehr meldet und das mit oder ohne “das Beste” daran mitzunehmen…

Natürlich ist das nur einer von vielen Fällen, aber mit diesen Geschehnissen, die ich nicht nur aus meinen eigenen Erfahrungen nehme sondern auch von Freunden höre, frage ich mich, ob es wirlich nötig ist, dass wir uns selbst belügen müssen. Brauchen wir wirklich diese Selbstbestätigung von Anderen? Oder sehnen wir uns einfach nach Nähe und greifen deshalb zu einer App, weil es schnell und unkompliziert ist?

“Ghosting” dürfte den meisten kein Fremdwort sein: die einfachste Lösung eine zwischenmenschliche Beziehung zu beenden, indem man sich von einem Tag auf den Anderen, nein sogar von einer Minute auf die andere nicht mehr meldet. Es ist die einfachste, aber auch die schmerzvollste Form etwas zu beenden. Ob es nun nach dem 3 Tage schreiben ist oder nach 3 Monaten Dating. Was ist nur los mit der Gesellschaft? Wo ist der Respekt geblieben, den wir eins gepflegt haben. Das soziale Gefühl für unsere Mitmenschen, welches uns von unseren Müttern jahrelang eingetrichtert wurde. Wir mutieren zu einer Wegwerfgesellschaft und das meine ich nicht in Bezug auf Objekte sondern tatsächlich in Bezug auf Liebe.

Wäre es nicht mal Wert in einen Menschen mehr Zeit und Energie zu investieren und ihn mit allen Ecken und Kanten kennenzulernen, anstatt 3 gleichzeitig zu daten und diese auf komplette Oberflächigkeit zu beschränken. Das Ergebnis aus diesem ganzen oberflächigen Dating ist dann nämlich eine Abgestumptheit, die man entwickelt. Man vertraut niemanden mehr, investiert nichts und ersetzt einfach, sobald es ein wenig kompliziert wird. Man kann ja einfach runterscrollen zum nächsten Chat. Natürlich entwickelt man selbst diese Art des Denkens, vor allem wenn man verletzt wurde oder einfach als Objekt abgestempelt wird. Aber genau in diesem Moment ist es wichtig an seinen Prinzipien festzuhalten und nicht mit der Masse mitzurennen. Sich selbst wertschätzen und sein Selbstbewusstsein vor allem nicht an anderen messen. Dazu gehört auch, dass man andere mit Respekt behandelt und seine Meinung oder seinen Willen äußert. Es bringt niemanden was, alles dem sogenannten “Ghosting” zu überlassen, denn so entstehen genau diese verletzen Charaktere, die dann ihren Frust am Nächsten rauslassen.

Ich möchte hier nicht Moralapostel spielen, denn ich bin ganz bestimmt nicht die Vorzeigefrau, die bisher alles richtig gemacht hat. Nein, ich wurde schon verletzt und habe auch andere verletzt mit meinem Handeln. Doch ich arbeite an mir. Und manch anderem fehlt jeglicher Gedanke, der ihn oder sie dazu verleiten würde bei sich selbst anzufangen. Das ist aber der Punkt bei dem man ansetzen sollte. Wenn man seine eigenen Regeln macht, sich selbst schätzt und Menschen mit Respekt behandelt und nicht wie Objekte, dann kommt wahrscheinlich irgendwann der oder die Richtige mit demselben Anspruch. Oder man bleibt noch eine Weile allein, aber dann kann man immerhin sagen, man ist sich selbst treu geblieben.

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